Der heilige Nikolaus geht in Reit im Winkl von Haus zu Haus

 Mit dem Öffnen des ersten Kalendertürl beginnt für die Kinder die Weihnachtszeit . Am 5. Dezember ist meist ein kleiner Schokonikolaus im Kalender versteckt und die Frage kommt auf: „Kimmt heut‘ der Nikolo?“ Erfahrungsgemäß sind an diesem Tag auch die größten Rabaucken, brav wie neugeborene Lämmer im Schlaf. Bei zunehmender Dunkelheit wird jedes noch so kleine Geräusch hinterfragt und die Aufregung steigt und steigt. Die Plätze zwischen Oma und Opa auf der Eckbank geben ein Gefühl von Geborgenheit, das an diesem Tag mehr Wert ist als alles Andere auf der Welt.

Die Kerzen am Adventskranz leuchten, Platzerl stehn am Tisch, der Punsch dufttet und die Mama liest zur Beruhigung a Engerlsgeschicht’n vor. Die Flöte wird zum 5. Mal ein und  ausgepackt und das Nikolausgedicht nochmal geübt. – Plötzlich hört man draußen die Glocken vom Kramperl, an den Fensterläden kratzt Er mit der Rute. Der Nikolaus klopft mit seinem Bischofsstab an die Tür und bittet um Einlass. Nachdem sich der Kramperl beruhigt hat darf auch Er in die Stube. Und der gr0ße  heilige Mann mit Mitra, weißgrauem Rauschebart und rotem Umhang beginnt mit dunkler Stimme: „Draußt vom Walde komm ich her….“ und fährt mit „seinem“ Bericht über Lobenswertes und Schandtaten von Mama und Papa,  den Kindern, sowie von Oma und Opa fort. „Ja des gibts doch need was der ois woas“. Denkt man sich ganz insgeheim. Beim Tadeln mahnte der Kramperl aus dem Hintergrund mit seiner Rute und  einem fürchterlichen Graunen. Die Kinderaugen wechselten zwischen den beiden Besuchern immer schneller hin und her in der Hoffnung, dass der Nikolaus gleich wieder was Gutes zu berichten hat.  Spätestens, wenn das Gedicht oder die Flöte zum Einsatz kommt, legt sich die Anspannung  und man traut sich sogar, Ihm die Hand zum Abschied zu reichen, bevor jeder sei Packerl kriagt.

Nikolaus und Kramperl beim Hausbesuch
Nikolaus und Kramperl beim Hausbesuch

Wie in den vergangenen Jahren besuchten  wieder 5 Nikolause mit Ihren Knechten Reit im Winkler Familien und sorgten somit, dass auch in diesem Jahr wieder ein wertvolles Stück Weihnachtskultur weiterlebt und ein Höhepunkt  in der Vorweihnachtszeit erhalten bleibt.

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